ERSCHWERENDE FAKTOREN
Diese Symptome müssen nicht alle zutreffen, zeigen aber deutliche Symptome eines möglichen ADS/ADHS.
Sie können jedoch durch begleitende (komorbide) und sekundäre Erkrankungen und durch negative
kindliche Erfahrungen verschärft werden.
Häufige begleitende Erkrankungen bei Erwachsenen sind: Depressionen, Ängste, selbstunsichere Persönlichkeit und
Selbstwertprobleme, Alkoholkonsum und Gebrauch illegaler Drogen, antisoziale Persönlichkeit (besonders, wenn bereits in der Kindheit
eine schwere Störung des Sozialverhaltens (Conduct Disorder) vorlag).
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- AD(H)S und Schule-
Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung
Wie den Alltag besser meistern? - Tipps für Lehrer
Feinmotorische Störungen
Kinder mit Aufmerksamkeitsstörung haben sehr oft auch eine motorische
Unruhe. Die motorische Unruhe fällt besonders in Situationen auf, in denen
die Kinder warten müssen. Die Bewegung der Kinder ist häufig eckig und
steif. ADS-Kinder haben Schwierigkeiten ihre Kräfte abzuschätzen. Entweder
laufen sie sehr gut oder genau das Gegenteil. Andere Körperteile bewegen
sich parallel zu den eigentlich eingesetzten Körperteilen, z.B. die Beine beim
Schreiben. Besonders bei der Handschrift von ADS-Kindern kann man
feinmotorische Störungen gut erkennen. Die Buchstaben können extrem groß
geschrieben sein, Zeilen und Linien in den Heften werden nicht eingehalten,
einzelne Buchstaben oder Wörter werden durch starken Druck auf das
Schreibgerät sehr dick (fett) geschrieben. Das Schriftbild wirkt insgesamt
"krakelig". Die Wörter sind nur mit großer Mühe lesbar. Falsche Wörter
werden sehr oft dick und fett durchgestrichen oder eingekreist. Die Striche
sind oft durch mehrere Seiten hindurch noch zu erkennen. ADS-Kinder mit
motorischer Unruhe werden kaum Erfolgserlebnisse im für ihre Handschrift
ernten, selbst wenn sie wenige Fehler im Diktat haben, so werden sie in der
Regel auf ihr Handschrift hin getadelt.
Ein Kind mit Aufmerksamkeits-Defizid-Syndrom im Unterricht
von Cordula Neuhaus, Dipl.-Psychologin, Dipl.-Heilpädagogin, Kinderpsychologin
Liebe Lehrerinnen,
Liebe Lehrer,
für eine erfolgreiche Therapie bei Kindern und Jugendlichen ist die Zusammenarbeit zwischen
Schule und Therapeuten eine der wichtigsten Vorraussetzungen. Wir wissen um die Schwierigkeiten
der ADS-Kinder in einem Unterrichtsverband mit anderen Kindern. Der tägliche direkte Umgang ist
nicht immer leicht und so möchten wir Ihnen mit dieser Information gleichzeitig auch ein paar, für Sie
vielleicht hilfreiche Tipps und Tricks an die Hand geben. Aufmerksamkeitsschwache Kinder
benötigen einen sehr strukturierten Unterricht, den sie " wie auf Schienen" bewältigen können. Für
viele ist die direkte Aufmerksamkeitsablenkung der einzige Weg, über 45 Minuten bei der Sache
bleiben zu können.
Plazieren Sie ein ADS-Kind möglichst weit vorne oder in einer "Ecke" des Klassenraums, so dass
Sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit immer im Blickfeld haben. Mit Blickkontakt und der persönlichen
Ansprache, ohne es den anderen Kindern "vorzuführen", erreichen Sie
optimale Aufmerksamkeitsablenkung, vor allen Dingen, wenn Sie sich immer wieder selbst durch
den Klassenraum bewegen und mit nonverbaler Verhaltensformung das Kind immer wieder zum
"Ausgangsgeschehen hin richten" (wortloses Wegnehmen eines Gegenstandes; Drehen des
Köpfchens in die richtige Richtung; Deuten auf den Punkt im Heft, wo es weiterarbeiten soll...).
Der Schüler muss merken, dass er mit seinen Problemen dem Lehrer nicht gleichgültig ist, dass der
Lehrer bereit ist, sich für ihn zu engagieren. ADS-Kinder reagieren e x t r e m sensibel auf die so
genannte "Personenvariable", sie spüren sofort, ob sie jemand mag und ob ihnen jemand
gewachsen ist. Stimmen beide Variablen, wird es wenig Schwierigkeiten mit dem Kind geben, fühlt
sich der Erwachsene durch das Kind ständig überfordert oder fühlt er sich durch das Kind
abgestoßen, gibt es grundsätzlich Schwierigkeiten. Der Lehrer sollte sich in seinem Verhältnis zum ADS-Kind "liebevoll stur"
zeigen, damit das Kind in der Lage ist, sich an eine feste Struktur zu gewöhnen, um so aus seinem eigenen Chaos
herauszukommen. Sachlichkeit auf der Basis der freundlichen Angenommenheit mit Gleichförmigkeit eines festen Rahmens ohne
Überforderung und Aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten statt Schuldzuweisungen, ist mit Sicherheit der beste Weg.
Das Kind hat sehr unter seinen eigenen Stimmungs- und Leistungsschwankungen zu leiden, weiß
wohl, dass mit ihm "etwas nicht stimmt". Es bringt überhaupt nichts, das Kind immer wieder auf
seine Defizite hinzuweisen, wichtig ist die Verstärkung der Anstrengungsbereitschaft und nicht nur
des Handlungsergebnisses. Das Kind mit dem ADS-Syndrom mit Hyperaktivität stört und zappelt
nicht mit Absicht, die Überaktivität ist bei näherem Hinsehen häufig eine gewisse Plan- und
Ziellosigkeit in der Bewegung und in der Aktionsplanung, es kann sich durch seine Ablenkbarkeit
nur schwer steuern, die Hyperaktivität ist biologisch eigentlich eine sehr sinnvolle Kompensation bei
der syndrombedingten Reizoffenheit bei Reizfilterschwäche. Die Zappeligkeit ist auch nicht das
wichtigste Thema, viel problematischer ist das hohe Erregungsniveau des Kindes, das man noch
höher ansteigen lässt, wenn man nur immer an der Zappeligkeit "rummacht".
Mit Zureden ist bei einem ADS-Kind nichts zu erreichen.
Kritisieren an Kleinigkeiten, wie "setz' Dich jetzt mal schön hin", provoziert es.
Strafarbeiten helfen nicht - außer zu stigmatisieren und das ADS-Kind in der problematischsten Zone seiner
Steuerungsproblematik bloßzustellen: hier ist Abstreiten gefragt, das Kind reagiert adäquat zu der soziologischen Theorie der
Anomie - was soll's - bin eh' doof, blöd, Außenseiter, etc. - und agiert erst recht. Schreiben fällt dem Kind doch so schwer - der
Schulkonflikt wird nach Hause verlagert. ADS-Kinder haben alle Probleme mit dem Dosierens-Können grober Kraft, speziell im
graphomotorischen Umsetzungsbereich. Sie haben alle bei schnellem Schreiben und hoher
Schreibbelastung eine schlechte Schrift. Kommt dann noch eine Bewegungskoordinationsstörung
dazu, verschlechtert sich die Schrift nochmals. Die Kinder brauchen sehr viel Kraft für den reinen
Schreibprozess und haben dann keine Fähigkeit mehr, sich auch noch gleichzeitig um die
Orthographie zu bemühen. Entsprechend machen sie viele Fehler, die eher einem
"Streublümchensalat" aus vielen Schusseligkeitsfehlern ähneln als so genannten "legasthenen
Fehlern".
Das Schriftbild kann niemals mit dem Schriftbild normgesteuerter Kinder verglichen werden. Hier ist
auch sehr wichtig, dass die Anstrengungsbereitschaft der Kinder zu verstärken ist und nicht das
entsprechende Ergebnis. Es wird dringend davon abgeraten, Notenabzug wegen der Schrift zu
geben. Bei älteren Kindern ist es lohnenswert, sie auf Druckschrift umzusetzen, bei jüngeren
Kindern auf vereinfachte Schreibschrift umzusteigen. Gestaltauffassung und Gestaltwiedergabe sind
durch den oberflächlich abtastend überhüpfenden Wahrnehmungsstil häufig nicht altersgemäß entwickelt. Das hat auch
Auswirkungen z.B. auf die Strukturierung des Arbeitsplatzes, das Wiedererkennen und Finden von Gegenständen, die in
unmittelbarer Nähe liegen. Bitte stellen Sie das Kind nicht bloß! Oft sind die für den Schulalltag notwendigen Bücher und Hefte
unvollständig eingepackt, oder aber die Kinder tragen alles mit sich herum, was überhaupt in der Schule benötigt wird. Ein Nicht-
Finden-Können heißt nicht, dass etwas nicht da ist.
Viele Kinder mit dem ADS-Syndrom haben zusätzlich Teilleistungsschwächen im visuellen, auditiven,
teilweise sogar im taktilen Bereich. Das führt zwangsläufig zu Verzögerungen und Erschwerungen beim
Erlernen von Kulturtechniken. Dies kann trotz normaler Intelligenz der Fall sein. In die Sonderschule
gehören diese Kinder in der Regel nicht! Alle ADS-Kinder haben irgendwelche Bereiche, die sie
besonders interessieren, in denen sie dann präzises und überdurchschnittliches Detailwissen entwickeln.
Betonung und Hervorhebung dieser Kenntnisse können enormen motivationalen Charakter haben. Auch
im feinmotorischen Koordinationsbereich haben ADS-Kinder häufig Schwierigkeiten. So dauert das
Mantel An- und Ausziehen länger, das An- und Auskleiden beim Turn- und Schwimmunterricht länger oder
es erfolgt sehr schlampig. Bitte hier nicht bloßstellen, sondern Kleinstregeln mit entsprechenden
Konsequenzen vereinbaren.
"Strecken" und "Warten" bis man aufgerufen wird, kann das "hyperkinetische" Kind oft erst in der 5. oder 6. Klasse wirklich
durchgehend leisten. Ermahnen nützt nichts, steigert nur das Erregungsniveau. Hilfreich ist es, das Kind entweder im Unterricht
kräftig miteinzubinden oder ein Hineinrufen zu ignorieren, respektive bei deutlichem Stören kurz zu dem Kind zu gehen,
Körperkontakt aufzunehmen und mit kurzen deutlichen, gelassenen Instruktionen wie "Stop, ich glaube, jetzt geht es gleich los"
eine Zäsur zu setzen und gleichzeitig das Kind damit zu beruhigen. Je gelassener und deutlicher die Instruktion, desto schneller
erfolgt der Effekt. Das ADS-Kind leidet oft an "Sprechdurchfall", d.h. Dauermotzen, fäkalsprachliche Ausdrücke, sexistische
Ausdrücke werden reproduziert, die es in der Regel nicht von zuhause kennt! Es schnappt aber gern und willig alles "Interessante"
aus der Umgebung auf.
Die Verbalisationen sind nie absichtlich persönlich gegen jemand gemeint, sondern primär ungesteuerte
Unmutsäußerungen. Bei steigender Erregung, z.B. hevorgerufen durch moralisierendes Eingreifen des
Erziehers, kann es zu scharf formulierten, persönlichen Attacken kommen, die oft sehr verletzend sein
können. Einerseits durch die oft extreme Auffassungsgabe trotz Aufmerksamkeitslabilität und andererseits
durch das große Bedürfnis, sich dem Erregungsniveau entsprechend auszudrücken, kommt es zu solchen
Entladungen, die dem ADS-Kind wesentlich später bei der Konfrontation damit leid tun und ihm regelrecht
peinlich sind.
Daher: bitte nicht persönlich nehmen, sondern gelassen und direktiv das Kind unterbrechen und unter Umständen aus dem Raum
entfernen. Je souveräner man darauf reagiert, desto eher erkennt einen das Kind an. Ähnlich ruhig und gelassen, dabei sehr
direktiv sollte man auf verbale Androhungen sowie auf Verweigerungsäußerungen des Kindes reagieren. Strafandrohungen
steigern das Erregungsniveau.
Am besten reagiert man sofort mit etwas raunzig humorigem Brummeln "ja, ja, ich glaub's Dir wohl",
"bist Du sicher?" ohne moralisches Ansinnen. Gegebenenfalls hilft auch einfaches Ignorieren. Kommt es
dennoch irgendwann einmal zum Eklat (natürlicherweise, denn auch Lehrer sind nur Menschen), ist es
sinnvoll, das Kind kurz aus der Situation herauszunehmen. Das Kind rennt nicht weg vor dem
Klassenzimmer, wenn man die Situation "früh genug erwischt". Wichtig ist, nach der Beruhigung das
Kind sofort wieder hereinzuholen, nicht die Situation sofort zu Besprechen, sondern zum Tageston
überzugehen. Stundenversetzt ist eine Besprechung nach Senkung des Erregungsniveaus gut möglich!
Nie nach dem Eklat "nachmoralisieren", dies steigert nur sofort wieder das Erregungsniveau (nun über
das schlechte Gewissen).
Viele Kinder können am Ende einer Stunde, wenn allgemeine Aufbruchstimmung herrscht, die Hausaufgabe nicht mehr
aufnehmen, geschweige denn aufschreiben. Meist, weil sie es wirklich nicht mehr können, nicht weil sie nicht wollen. Für den
Lehrer der letzten Stunde könnte es hilfreich sein, die Hausaufgabe bereits am Anfang der Stunde im Hausaufgabenheft eintragen
zu lassen. Damit wären auch viele Mütter zuhause im täglichen Kampf um die Hausaufgabe entlastet. Sollte eine Kontrolle des
Hausaufgabenheftes vereinbart sein, muss dies für die Kinder zur Gewohnheit werden. Nur so haben die Mütter zuhause die
Möglichkeit, ihrem Kind nicht gleich mit Misstrauen entgegenzutreten.
Merke: ein ADS-Kind tut nur das, was angekündigt, eingefordert und hinterher kontrolliert wurde.
Erledigt ein ADS-Kind seine Pflichten nicht, die die Schule betreffen, sollte möglichst schulintern
reagiert werden, mit Nacharbeiten, entsprechenden Zusatzaufgaben. Anrufe zuhause und Klagen über
das Kind stressen nur gestresste Eltern, sie wissen um das Problem, können aber in der Schule und an
der Schulsituation nichts ändern. Eltern sind zuhause Hausherr. Lehrer in der Schule. Ein Transfer aus
der häuslichen Korrektur in die für das Kind belastende Schulsituation kann nicht erfolgen, da das Kind
in jedem Umfeld speziell seine eigenen Grenzen abcheckt. Im Gegenteil: Mahnungen der Eltern
zuhause steigern nur das Erregungsniveau und sorgen dann in der Schule für neuerliche Störattacken.
Je strukturierter der Unterricht, desto besser für das ADS-Kind. Damit impliziert ist das Abfragen von
gelernten Wörtern, Hausaufgabenkontrolle. Damit ist ebenso impliziert eine klare Erklärungsfrage, eine
Rückfragphase, eine Übephase, ein freies Erarbeiten einer Problematik gelingt einem ADS-Kind nur, wenn es hochmotiviert für
eine bestimmte Thematik ist. Aufmerksamkeitslabile Kinder sollten in allen Umsetzungssituationen alleine sitzen, nicht als Strafe,
sondern als Hilfe. Wenn ein Kind mit dem ADS-Syndrom trödelt, sein Mathebuch nicht findet, ewig am ersten Wort der Abschrift
"klebt", ist es hilfreich, einen Kleinstvertrag zu machen ("es gibt einen Punkt, wenn Du am Anfang der Mathestunde dies alles
genauso schnell parat hast, wie die anderen"). Die Abrechnung erfolgt täglich/wöchentlich je nach Lebensalter und Erfolgsmeldung
und Konsequenz.
Soziale Probleme sind vielfältig - bitte lassen Sie das Petzen nicht zu! Andere Kinder wissen sehr gut, wo
beim ADS-Kind "der Knopf zum Draufdrücken ist". Das gilt speziell für das "hyperaktive Kind". Wenn der
Lehrer nicht "direkt bei der Tat dabei war" kann er nicht sanktionieren, ohne dabei ungerecht werden zu
müssen. Wird ein ADS-Kind aus seiner Sicht ungerecht behandelt, steigt sein Erregungsniveau bis ins
Unendliche, es sitzt dann zwar verdattert auf seinem Stuhl im Unterricht, sinnt allerdings die ganze Stunde
nur nach Rache und entlädt die möglicherweise direkt vor den Augen des Lehrers bei der nächstmöglichen,
sich bietenden Gelegenheit - für den Lehrer "tatsächlich völlig aus heiterem Himmel".
Am besten hierfür: "das Volk" auseinanderdividieren und zur Tagesordnung übergehen - stundenversetzt,
tageversetzt kann man eine soziale Viertelstunde einrichten. Dies ist die beste Prophylaxe gegen
Klassenkasper und Sündenbockentwicklung. Im Sport brauchen ADS-Kinder sehr viel Souveränität des Lehrers: das ADS-Kind
kann sich motorisch nicht austoben, es steigert sich in die Erregung durch motorisches Agieren immer mehr hinein, d.h., je mehr
getobt werden darf, desto mehr kreiselt es. Es kann nicht auf Abpfiff zum Schluss kommen. Daher muss ein sinnvoller, motorisch
aktiver Auftrag gegeben werden, z.B. das Ziehen einer schweren Matte von A nach B. ADS-Kinder können häufig Gefahren nicht
einschätzen. Sind sie besonders erregt, ist äußerste Vorsicht geboten. Besser zieht man die Kinder zu Hilfestellungen heran, als
dass man sie ins freie Agieren entlässt. Auslachen durch andere Kinder muss unbedingt vermieden werden, speziell wenn ADS-
Kinder sich ungeschickt bewegen (dasselbe gilt auch für Kinder mit Bewegungskoordinationsstörungen). Provokantes Bloßstellen
darf nicht erfolgen, es sollte vermehrt Hilfestellung gegeben werden und ermutigt werden.
Bloßstellen insgesamt ist absolutes Tabu: ADS-Kinder schreiben z.B. häufig kurze Aufsätze, nicht mehr etwa, weil ihnen nichts
mehr einfällt, sondern weil ihnen der Schreibprozess so schwer fällt (wären sie doch mit einer Sekretärin und einem Diktaphon auf
die Welt gekommen). Lehrer wissen das: mündliche Beiträge dieser sind oft "verblüffend" gut und hilfreich - die schriftliche
Umsetzung ist aber desolat... ADS-Kinder machen häufig Fehler in Mathematik, nicht weil sie Mathematik nicht können, sondern
weil sie ihre Zahlen schräg aufs Papier schreiben oder in Geometrie den Strich nicht exakt ziehen können. Jedwedes Abwerten
wirkt sich deutlich motivationsverschlechternd aus.
Das ADS-Kind braucht dennoch keine exklusive Sonderrolle, fordert den Lehrer sicher in jeder Hinsicht, je mehr der Lehrer dem
Kind jedoch signalisiert, dass er es mag, seine Stärken kennt, Hilfestellungen für die Schwächen gibt, freundlich, ruhig, gelassen
direktiv und einschätzbar ist, desto eher kommt ein nicht zu unterschätzender Faktor zum tragen: das Kind erkennt in dem Lehrer
einen echten Menschen, der für das Kind schnell zum so genannten "Superreiz" wird, damit verbunden ist ein enormer
Motivationsschub, das Kind arbeitet für den Lehrer, das Störungspotential baut sich automatisch ab.
Es lohnt sich, auf diese Ziel hinzusteuern, das ADS-Kind und seine Eltern werden es danken, der Klassenkontext wird enorm an
sozialer Kompetenz dazu erwerben.
C. Neuhaus Zum Schluss noch ein paar Tipps für Ihr Gespräch mit den Eltern :
Machen Sie sich eine Liste, in die Sie die Stärken und Schwächen des Schülers in Bezug auf schulische Leistungen und Verhalten
notieren. Laden Sie dann die Eltern möglichst zu einem Gespräch, für das Ihnen 45 Minuten zur Verfügung stehen sollten. Denn
eine angemessene Vermittlung Ihres Bildes über das Kind braucht Zeit. Beginnen Sie das Gespräch mit positiven Ansätzen.
Zeigen Sie den Eltern, dass sie daran interessiert sind, diesem Kind zu helfen. Beginnen Sie mit der Aufzählung der Stärken des
Kindes. Sprechen Sie dann zuerst die schulischen Leistungsschwächen an, bevor Sie auf die Verhaltens - Probleme eingehen.
Schildern Sie die Verhaltens - Probleme aus der Beobachter - Rolle, frei ohne Wertung und ohne den Versuch, eine Diagnose zu
stellen. Ermutigen Sie die Eltern, die häuslichen Probleme zu schildern. Überlegen Sie gemeinsam, wie diesem Kind am besten zu
helfen ist. Arbeiten Sie mit den Eltern einen ersten Hilfeplan aus. Verabreden Sie sich wieder in zwei Wochen. Wenn die Strategien
geholfen haben, führen Sie sie weiter durch und vereinbaren jeweils Folgegespräche. Sollten die Schwierigkeiten des Kindes trotz
Bemühungen beider Seiten anhalten, raten Sie den Eltern am besten, den Schulpsychologen, einen externen Psychologen oder
einen Arzt zu konsultieren. Das sollte jemand sein, der sich mit ADS auskennt. Bitte kooperieren Sie mit dem entsprechenden ADS
- Experten, denn der ist auf Ihre Mithilfe angewiesen.
Lerntipps für Lehrer von Christine Falk-Frühbrodt,M.A
http://www.ads-kurse.de/ads_adhs_schule.htm
www.wuppertalforum.de
Erstes Privat-Gymnasium für AD(H)S Kinder
Sie gelten als Träumerliese oder Zappelphilipp. Oftmals werden sie für dumm gehalten, weil sie im Unterricht seltsame Antworten
geben, ihre Sachen vergessen oder als Störenfriede auffallen. Dabei sind viele dieser Kinder überdurchschnittlich begabt. Doch
mit ihrer ADHS-Diagnose stehen sich in Regelschulen selbst im Weg.
Allein in Baden Württemberg leiden fast 10 % der schulpflichtigen Kinder an ADHS. In großen und lauten Klassen in
Regelschulen können Kinder mit ADHS aggressiv, zappelig und schnell zu Schulverweigerern werden. Nicht selten landen diese
intelligenten Kinder auf Hauptschulen oder sogar auf Schulen für Lernbehinderte. In Esslingen hat nun das erste private
Gymnasium für ADHS-Kinder eröffnet. Momentan finanzieren sie sich nur über Sponsoren und Schulgeld. Doch die Nachfrage ist
bereits so groß, dass die Leiter der Münsinger Schule ein Internat planen.
Weitere Informationen: www.muensinger-schule.de
08.02.2008 / Dauer: 3:40 / Autor: Bettina Ditzen Videofilm ansehen