ADS/ADHS IM KINDER- UND JUGENDALTER
Woran erkenne ich ein Kind mit hyperkinetischen Verhaltensauffälligkeiten, wieso unterscheidet es sich von
anderen Kindern mit ganz normaler Entwicklung? Viele Kinder sind lebendiger und lebhafter als andere und
irgendwann ist jedes Kind einmal sehr unruhig und kann sich schlecht konzentrieren und ist leicht ablenkbar.
Jüngeren Kindern fällt es besonders schwer, sich ruhig zu verhalten und ausdauernd bei einer Sache zu
bleiben im Gegensatz zu etwas älteren Kindern.
Bei Kindern mit hyperkinetischen Verhaltensauffälligkeiten unterscheiden sich
allerdings Ausmaß und Stärke der Probleme. Den Kindern fällt es schwer, über
einen längeren Zeitraum aufmerksam zu sein und die Konzentration auf die
Erledigung einer Aufgabe zu richten. Sie sind leicht ablenkbar und ihre Aufgaben
brechen sie einfach vorzeitig ab, Tätigkeiten werden nicht zu Ende geführt. Gut zu
beobachten ist dies bei Aufgaben, für die geistige Anstrengung verlangt wird. Bei
jüngeren Kindern können auch Kindergärtnerinnen diese Aufmerksamkeits- und
Konzentrationsschwäche bei selbst bestimmten Tätigkeiten (z.B. Spielen)
beobachten. Erst sind die Kinder sehr aufmerksam und interessiert dabei, aber
nach kurzer Zeit verlieren sie das Interesse und wechseln zu einer anderen Tätigkeit.
Bei betroffenen Kindern fallen diese Probleme bzw. Schwächen bei selbst gewählten und lustbetonten Spielen kaum auf. Kinder mit
hyperkinetischen Auffälligkeiten neigen deutlich mehr zu plötzlichem unüberlegten Handeln, folgen ihren Handlungsimpulsen und
bedenken nicht die Folgen. Die Kinder sind nicht in der Lage zu warten oder ihre Bedürfnisse aufzuschieben. Alles muss jetzt und sofort
geschehen. In dieser Hinsicht benehmen sie sich so, wie es oft für jüngere Kinder üblich ist. Gerade Kinder mit hyperkinetischen
Auffälligkeiten fallen durch ihr extremes Zappeln und ihre ständige Ruhelosigkeit auf. Diese Auffälligkeit tritt besonders in Situationen auf,
in denen die relative Ruhe verlangt wird. Sie stehen häufig im Unterricht oder in anderen Situationen auf, in denen das Sitzenbleiben von
ihnen erwartet wird.
Den Kindern fällt es schwer, ruhig zu spielen, sie laufen permanent herum. Selbst durch Aufforderung scheint
die dauerhafte Unruhe nicht beeinflussbar zu sein. Sie werden oft von den Eltern ermahnt ruhig zu sein,
manchmal reagiert das Kind auch darauf, aber die alte Unruhe ist nach ein paar Sekunden wieder da.
Zu beobachten sind diese Auffälligkeiten in verschiedenen Lebensbereichen, also nicht nur in der Familie,
sondern auch im Kindergarten oder in der Schule, auch bei Freizeitaktivitäten mit Gleichaltrigen. Verstärkt
treten diese Probleme in solchen Situationen auf, in denen von Kindern und Jugendlichen eine längere
Ausdauer erwartet wird. Der Schweregrad dieser Probleme hat eine große Variationsbreite. Bei manchen
Kindern sind die Auffälligkeiten aber auch so stark ausgeprägt, dass sie schon nach kürzester Zeit auffallen.
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ADS/ADHS - Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom bei Kindern und Jugendlichen
Über keine Störung im Kinder- und Jugendalter ist in den letzten Jahren mehr gesprochen und geschrieben worden
als über das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit und ohne Hyperaktivität (AD(H)S). Der Typ der Hyperaktiven
mit seiner motorischen Unruhe, erhöhten Impulsivität und mangelnden Konzentration steht dabei im Vordergrund,
während die Kinder und Jugendlichen ohne Hyperaktivitäten leicht übersehen werden. Diese fallen weniger auf,
sind oft antriebsarm und verlangsamt, eher verträumt, leben in ihrer eigenen Welt und kommen bei Aufforderung
"von weit her". Ihre Konzentration- und Aufmerksamkeitsschwäche wird häufig anders interpretiert und anderen
Störungen zugeordnet.
Beide Ausprägungen des AD(H)S können die weitere schulische und berufliche, aber auch die emotionale und soziale Entwicklung der
betroffenen Kinder und Jugendlichen erheblich gefährden. Ursachen der Störung sind nach den bisherigen Erkenntnissen
Ungleichgewichte der chemischen Botenstoffe im Hirnstoffwechsel mit veränderter Informationsverarbeitung und neuropsychologischen
Besonderheiten. Auf dieser Grundlage entwickelt sich leicht eine ungünstige Eigensteuerung, von der das Gelingen und die Qualität des
weiteren Lebens abhängen
WAS IST EIGENTLICH ADS/ADHS?
Kinder, die sich in der Schule durch meist negativ auffälliges Verhalten bemerkbar machen, werden oftmals im alltäglichen Umgang als
"Hyperaktiv" abgestempelt. Doch hinter diesem Verhalten verbirgt sich ein sehr komplexes und ernstzunehmendes Krankheitsbild. Die
Fachsprache bezeichnet dieses Krankheitsbild im deutschsprachigen Raum mit dem Terminus ADHS. Dieser Terminus hat seinen
Ursprung im Englischen. Dort spricht man von einem "Attention Deficit Disorder", kurz ADD. Hierbei handelt es sich um eine erhebliche
Beeinträchtigung von Konzentration und Aufmerksamkeit.
Liegen allerdings neben diesen Symptomen Störungen der Impulskontrolle und innere Unruhen vor, Eltern und Lehrer bezeichnen dies
meist als eine Art Zappeligkeit, spricht man von ADHD, nämlich ADD mit Hyperaktivität. Wie bereits erwähnt wird allerdings in der
deutschen Fachsprache die Bezeichnung ADHS verwendet und daher wird das Syndrom der Hyperaktivität im weiteren Verlauf dieser
Internetseiten mit dem Terminus ADS oder ADHS beschrieben.
ADHS zu beschreiben ist sicherlich nicht immer ganz einfach. Offiziell ist ADS ein Syndrom und zwar das Aufmerksamkeits-Defizit-
Syndrom. ADS bedeutet eine Fehlfunktion des Gehirns und zwar im Bereich des Neurotransmitterhaushalts, ähnlich wie bei
Depressionen.
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FEHLENDER FILTER
Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei ADHS-Kindern die Informationsverarbeitung zwischen verschiedenen Abschnitten im Gehirn
nicht richtig funktioniert. Ursache dafür sind Störungen im Stoffwechsel der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin. Beide sind wichtig für
Aufmerksamkeit, Antrieb und Motivation. Bei ADHS-Kindern übertragen diese Neurotransmitter die Informationen zwischen den
Gehirnzellen nur noch eingeschränkt.
Betroffen sind die Stammganglien und das Frontalhirn - Gehirnabschnitte, die für Aufmerksamkeit, Ausführung und Planung,
Konzentration und Wahrnehmung verantwortlich sind.
WIE GESCHIEHT DIE INFORMATIONSWEITERLEITUNG IM GEHIRN
Die Millionen von Nervenzellen im menschlichen Gehirn bilden eine Art Netzwerk. Äußere Reize werden über die Aktivität der peripheren
Nervenzellen (Neuronen) als Informationen weitergegeben. Nervenzellen sind nicht miteinander verbunden. Wären sie miteinander
verbunden, so würde es zu einer permanenten Reizüberflutung kommen. Zwischen den Nervenzellen befindet sich ein Spalt, der so
genannte synaptische Spalt.
Die Botenstoffe transportieren die Informationen zwischen den Zellen. Ist dieser Transport gestört, ist damit die Informationsweiterleitung
gestört. Bei ADS-Patienten geht man heute davon aus, dass der Botenstoff Dopamin von der Norm abweicht. Diese Abweichung im
Gehirn wird durch Vererbung weitergegeben. ADS-Patienten leiden häufig unter einem Ungleichgewicht der Botenstoffe Dopamin
(körperliche Aktivität), Noradrenalin (Aufmerksamkeit) und Serotonin (Stimmung). Die typischen Verhaltensweisen der ADS-Patienten
werden also dadurch ausgelöst, dass die Botenstoffe lediglich in einem Ungleichgewicht vorhanden sind und die Reizweiterleitung nicht in
gewohnter Art und Weise erfolgen kann.
ERZIEHUNGSDEFIZITE, REIZÜBERFLUTUNGEN UND PSYCHISCHE BELASTUNGEN
wie beispielsweise hohe Anforderungen der Familie / Gesellschaft, können ebenso eine entscheidende Rolle für die Ausprägung eines
ADS/ADHS spielen. Sie sind in aller Regel allerdings nicht die eigentliche Ursache für die Entstehung eines ADS, sie sind aber in
besonderer Weise für die Stärke und den Grad der Ausbildung des Syndroms mitverantwortlich.
Anders gesagt: Probleme, die in diesen Bereichen auftreten, können die Ausprägung und somit die Stärke der Beeinträchtigung in
besonderer Weise verstärken. Aus diesem Grund wird ADS sehr oft von der Gesellschaft als Erziehungsfehler deklariert.